Edgar Hoffmann – In Memoriam

Aus

Zum Tod von ao. Univ.-Prof. Dr. Edgar Hoffmann

  1. September 1957 ̶ 30. Oktober 2021

 

Edgar Hoffmann, 1957 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren und in der DDR aufgewachsen, war seit 1991 am Institut für Slawische Sprachen der Wirtschaftsuniversität Wien tätig, das laufende Studienjahr sollte sein letztes vor Pensionsantritt sein.

Seine Schulausbildung und das Lehramtsstudium Geschichte und Russisch hat Edgar Hoffmann noch zur Gänze in der DDR absolviert. Während des Studiums an der Karl-Marx-Universität Leipzig weckte Prof. Ernst Eichler sein Interesse für die Onomastik; aufgrund seiner Leistungen konnte Edgar Hoffmann nach erfolgreichem Universitätsabschluss seine Ausbildung als Forschungsstudent in der Sektion „Theoretische und angewandte Sprachwissenschaft“ der Universität Leipzig fortsetzen. 1984 promovierte er mit “Die Entwicklung der slawistischen Namenforschung in Deutschland”. Von 1983 bis 1987 war Edgar Hoffmann Ortschronist der Stadt Zwickau, danach unterrichtete er an der Pädago­gischen Hochschule bzw. ab 1990 an der Technischen Universität Chemnitz-Zwickau als Wissenschaft­licher Assistent Russisch und Tschechisch; beide Sprachen hatte er bereits in der Oberschule gelernt und beherrschte sie hervorragend. Auf Anraten seines Vorgesetzten Prof. Karlheinz Hengst bewarb sich Edgar Hoffmann 1991 auf eine Assistentenstelle am neu gegründeten Institut für Slawische Spra­chen der Wirtschaftsuniversität Wien, wo er seit Oktober 1991 tätig war und sich 2015 habilitierte. In den Jahren 2002 bis 2007 war er Vorstandsmitglied des Österreichischen Slawistenverbandes (spä­ter ÖGSl). Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Jungslawist*innen und war über viele Jahre Mitglied in diesem Kreis. Weiterhin war er einer der Initiatoren und regelmäßigen Veranstalter des internationalen Workshops “Interkulturelle Kommunikation und Interkulturelles Lernen”.

Seine wissenschaftlichen Interessen lagen neben der Onomastik, die er an der WU Wien um kultur- und kommunikationswissenschaftliche Aspekte erweiterte, in der Erforschung von internationaler Wirtschaftskommunikation mit dem Schwerpunkt auf dem Russischen und anderen slawischen Sprachen. Er befasste sich mit den interkulturellen Aspekten von Werbung und Reklame, mit dem Lebensstil russischer Geschäftsleute, mit Auto- und Heterostereotypen in Wirtschaft und Medien so­wie mit der Geschichte der slawistischen Sprachwissenschaft. Wie kaum ein anderer konnte er Sprach­wissenschaft mit dem Blick in gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Dynamiken verbinden. Als linguistisch versierter Kulturwissenschaftler war Edgar Hoffmann gern gesehener Vortragender an Universitäten im deutschsprachigen und osteuropäischen Raum; seit 2013 war er regelmäßig Gastpro­fessor an der Staatlichen Al-Farabi Universität von Almaty, wo er auch Dissertationen betreute. Ebenso kümmerte er sich gerne um kasachische Gaststudierende an der WU Wien. Der Ausbau der wissen­schaftlichen Kontakte des Instituts für Slawische Sprachen in Zentralasien und die Thematisierung von Russisch als lingua franca im postsowjetischen Raum (erweitert um Internet und Social Media) waren ihm ein besonderes Anliegen.

Aufgrund seiner Bescheidenheit und Arbeitsdisziplin, seiner Verlässlichkeit und Loyalität und seiner stets freundlichen und hilfsbereiten Art war Edgar Hoffmann als Universitätslehrer und Kollege über­aus beliebt. Dass er knapp vor dem offiziellen Ende seines Arbeitslebens verstorben ist und in der Pension nicht mehr seiner Begeisterung für die Eisenbahn und Zugreisen nachgehen konnte, betrübt alle, die Edgar Hoffmann gekannt und geschätzt haben. Unser Mitgefühl gilt ganz besonders seiner Ehefrau Dr. Sibylle Hoffmann.

 

 

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